2026-06-09

Workshop Open Access Publizieren in den Geisteswissenschaften§ 

Die Idee, dass Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich sein sollten, hat sich zu einem wichtigen Aspekt wissenschaftlicher Veröffentlichungsstrategien entwickelt. Dazu fand am 9. Juni 2026 ein Workshop des KompetenzwerkD in der SAW Leipzig statt. Die Veranstaltung bot nicht nur einen Überblick über die aktuelle Publikationslandschaft in den Geisteswissenschaften und darüber hinaus, sondern auch einen praxisnahen Austausch – von Good‑Practice‑Beispielen über Fördermöglichkeiten bis hin zu konkreten Fragen zu Datenmanagement und Lizenzierung, die verschiedenen Open-Access-Modelle, Rechtsfragen, Verlagsverträge und technische Aspekte.

Die Bedeutung von Open Access§ 

Open Access ist nicht nur ein Weg, um Forschungsergebnisse und -daten zu teilen, sondern auch ein Mittel, um die Transparenz und die Reproduzierbarkeit von Wissenschaft zu erhöhen. Durch die Veröffentlichung von Forschungsdaten etc. in Open-Access-Formaten können Wissenschaftler:innen ihre Erkenntnisse leichter zugänglich machen und somit die Wissensgesellschaft als Ganzes stärken. Dies kann auch als Teil von Open Science und Aspekt des Forschungsdatenmanagements verstanden werden. Veröffentlichungsstrategien können zudem in Datenmanagementplänen dokumentiert werden, um eine gewisse Verbindlichkeit herzustellen.

Open-Access-Modelle§ 

Es gibt verschiedene Open-Access-Modelle, die wichtigsten sind:

  • Golden Open Access: Bei diesem Modell werden die Forschungsergebnisse und -daten direkt in Open-Access-Formaten veröffentlicht. Dies kann durch die Zahlung von APCs (Article Processing Charges) finanziert werden.
  • Diamond (oder Platinum) Open Access: Bei diesem Modell werden die Forschungsergebnisse und -daten direkt in Open-Access-Formaten veröffentlicht, ohne dass APCs gezahlt werden müssen.
  • Green Open Access: Bei diesem Modell werden die Forschungsergebnisse und -daten in Open-Access-Formaten veröffentlicht, nachdem sie zuerst anderswo veröffentlicht wurden, z. B. als Artikel ein einem Journal im Closed Access. Meist ist ein Embargo von ein bis zwei Jahren zu beachten, das durch Verlage vorgegeben wird. Danach ist die Publikation dann frei zugänglich oder darf zweitveröffentlicht werden.
  • „Graue Literatur“: Publikation ohne Identifikatoren im Netz, z. B. eine PDF-Datei auf einer eigenen Website.
  • Black Open Access: Schattenbibliotheken wie SciHub, Anna‘s Archive oder LibGen
  • etc. (Bronze, Blue, …)

Die Lizenzwahl§ 

Die Lizenz entscheidet, wie die Forschungsergebnisse und -daten genutzt werden können. Einige der wichtigsten Lizenzarten sind:

  • CC-BY: Diese Lizenzart ermöglicht es, dass die Forschungsergebnisse und -daten von einer breiteren Öffentlichkeit genutzt werden können.
  • CC-BY-NC: Diese Lizenzart ermöglicht es, dass die Forschungsergebnisse und -daten von einer breiteren Öffentlichkeit genutzt werden können, jedoch nicht für kommerzielle Zwecke. Hier können Details eingesehen werden. Auch die Veröffentlichung in akademischen Verlagen zählt als kommerziell – selbst wenn Autor:innen damit meist nichts verdienen (die Verlage schon). Das heißt, dass die Lizenz CC-BY-NC hier unter Umständen nicht verwendet werden kann – genaueres regeln Verlagsverträge oder andere Vereinbarungen.

Dabei sollten die Forschungsdaten „FAIR“ sein – nach den FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) – und wurden anhand konkreter Beispiele im Workshop erklärt:

  • Findable: Nutzung von persistenten Identifikatoren („PIDs“ wie DOI, Handle) und Metadaten‑Standards (wie Dublin Core, CMDI)
  • Accessible: Nutzung standardisierter Protokolle (OAI‑PMH, SRU und HTTP(S)); auch bei eingeschränktem Datenzugriff Metadaten bereitstellen
  • Interoperable: Nutzung beispielsweise von RDF, CIDOC‑CRM, kontrollierten Vokabularen für die Verknüpfung von Normdaten
  • Reusable: Lizenzierung mit offenen Lizenzen, z. B. Creative-Commons-Lizenzen (vorzugsweise CC‑BY) und ausführliche Dokumentation der Forschungsdaten der Publikation

Publikationsformate & Repositorien§ 

Im Workshop haben wir auf ein paar Plattformen mehrer Disziplinen zum Veröffentlichen verwiesen:

  • Zenodo | allgemein/alles | alle Disziplinen | Link |
  • QUCOSA / OpARA | Sachsen-Fokus, aber auch allgemein/alles | alle Disziplinen | Link und Link |
  • Ostdata | Fach‑Repo | Osteuropaforschung| Link |
  • Propylaeum | Fach‑Repo | Altertumswissenschaft | Link |
  • AMAD (Archivum Medii Aevi Digitale) | Fach‑Repo | Mittelalter/Mediävistik (work in progress) | Link |
  • historicum.net | Fach‑Repo | Geschichtswissenschaften (work in progress) | Link|
  • DARIAH‑DE | Fach‑Repo | Digital Humanities et al. | Link |
  • Data Journals (z. B. Journal of Open Humanities Data) | Journal | Daten‑Paper | Link |

Die Diskussion zeigte, dass fachspezifische Repositorien (z. B. Ostdata für Osteuropaforschung) oft besser geeignet sind als reine General‑Repos, weil sie fachspezifische Metadaten‑Schemas unterstützen. Außerdem suchen Personen, die für bestimmte Forschungsfragen bibliografieren, eher in fachlichen Angeboten als in allgemeinen.

Rechtsfragen und Verlagsverträge§ 

Open Access ist natürlich auch mit Verlagen möglich, die passende Angebote schnüren können. Einige der zentralen Punkte bei Verlagsverträgen, auf die man achten muss (neben Kosten, Bereitstellung, Vertrieb, Maßnahmen im Marketing etc.), sind Reihen- und Übersetzungsrechte. Diese Rechte ermöglichen es Verlagen, dass die Forschungsergebnisse und -daten in verschiedenen Sprachen und Formaten übertragen werden können, i. d. R. ohne Beteiligung der Autor:innen, und zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Publikationsprozess. Gleiches gilt bei der Nutzung von Inhalten, oft nachträglich, als Trainingsdaten für KI-Modelle, ggf. durch Drittanbieter.

Warum nicht Academia.edu, ResearchGate etc.?§ 

Beides sind kommerzielle Firmen, die durch Upload die Rechte an den Publikationen erhalten – bis hin zu KI-Training, Weiterverkauf, Erstellung von Podcasts mit der Stimme der Autor:innen (sofern verfügbar), Verkauf von Zusammenfassungen in App-Lösungen etc. Man muss klar sagen: Autor:innen verlieren hier das Recht am eigenen Werk – auch für zukünftige Zwecke und Publikationsformen, an die nach heutigem Stand noch nicht gedacht werden kann. Weitere Problematiken sind:

  • Lizenz‑ und Rechteproblematik: Oft werden dort nur Publikationen oder Pre‑Prints hochgeladen, die nicht immer die korrekten Lizenzbedingungen besitzen.
  • (Langzeit-)Archivierung: Institutionelle Repositorien garantieren dauerhafte Verfügbarkeit und ein PID‑Zuweisung, d. h. einen persistenten Identifikator wie eine DOI-Nummer oder ein Handle, so dass die Publikation auffindbar bleibt.
  • Compliance: Förderprogramme (DFG, EU, VolkswagenStiftung etc.) verlangen die Open-Access-Veröffentlichung in zertifizierten Repositorien – Plattformen von Drittanbietern erfüllen das i. d. R. nicht.

Ein eindeutiger Identifier wie eine Orcid-Nummer erhöht die Nachverfolgbarkeit von Publikationen und Daten. Repositorien wie Zenodo bieten integrierte Metriken, die die Impact‑Messung ergänzen – noch ein Vorteil.

Praxisbeispiele aus den Impulsvorträgen§ 

Drei Expert:innen aus unserem Netzwerk haben Impulsvorträge zu ihren Erfahrungen im Workshop beigesteuert:

Dr. Petra Klara Gamke‑Breitschopf (DI):§ 

8 OA‑Reihenformate am Institut (Kooperation mit dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht) | OA erhöht Sichtbarkeit und Verkauf; barrierearme PDFs (BITV 2.0) sind Pflicht.

Dr. Henrik Schwanitz (ISGV):§ 

Gründung einer OA‑Reihe für Bild‑ und Text‑intensive DH‑Publikationen im Selbstverlag | Drei‑Stufen‑Strategie: Retrodigitalisierung → Linked Open Data → Barrierefreie PDFs. | Derzeit auf der Suche nach einem Verlag.

Dr. Anne Klammt (HAIT):§ 

XML‑First‑Workflow: XML ermöglicht Mehrformat‑Ausgabe (PDF, ePub, HTML) und bessere Langzeitpflege. | „Flip“ einer Zeitschrift von Verlag zu einem Forschungsinformationsdienst (FID) und Herstellung mit dem Open-Journal-System.

Was wir aus dem Workshop mitnehmen können:§ 

  1. Klare Zieldefinition – Entscheiden Sie zu Beginn, ob Sie „nur schnell ein PDF hochladen wollen“ (z.  B. Auf Zenodo) oder ein Peer‑Reviewed OA‑Journal anstreben.
  2. FAIRes Datenmanagement – Integrieren Sie die FAIR‑Prinzipien bereits im Projektplan (DMP). Nutzen Sie dazu Vorlagen wie z. B. von SaxFDM oder vom KompetenzwerkD.
  3. Lizenzwahl – CC‑BY ist meist die beste Wahl für maximale Wiederverwendbarkeit; prüfen Sie jedoch Fach‑ und Förderbedingungen.
  4. Rechte & Verlagsverträge – Verhandeln Sie Reihen‑ und Übersetzungsrechte frühzeitig, um spätere Einschränkungen zu vermeiden.
  5. Kosten‑Strategie – Nutzen Sie Diamond‑OA‑Modelle, institutionelle Fonds oder Förder‑APCs, um die finanzielle Belastung zu minimieren.
  6. Technische Infrastruktur – XML‑First‑Workflows, automatisierte DOI‑Registrierung und Print‑on‑Demand können langfristige Aufwände reduzieren.
  7. Netzwerk nutzen – Der Austausch mit Kolleg:innen aus DI, GWZO, HAIT, ISGV, SAW und SI hat gezeigt, dass kollegiale Beratung sehr hilfreich ist, denn in unserem Kreis ist viel Wissen und Erfahrung vorhanden sowie die Bereitschaft, dies zu teilen. In diesem Sinne danken wir an dieser Stelle nochmal herzlich allen Beteiligten!

Open Access ist machbar: Open Access ist nicht nur ein wünschenswertes Ziel, sondern auch eine realisierbare Strategie – mit öffentlichen Repositorien oder mit kommerziellen Verlagen. Wichtig ist, Verträge zu prüfen und ggf. zu nachzuverhandeln, wenn Anpassungsbedarf besteht.

Der komplette Ablauf des Workshops ist auf dieser Veranstaltungsseite zu finden.

Im Sinne des Wissenstransfers sind auf Nachfrage beim KompetenzwerkD die Folien der Vorträge und ein Protokoll erhältlich. Kontaktieren Sie uns gerne unter KompetenzwerkD@saw-leipzig.de.